Ein Meer der Farben und Formen

Osten: Al Sharqiyah

Sand weht über die Straße, umfliest dunkle Felskegel die unvermittelt aus der Ebene aufragen. Langsam aber unaufhaltsam schieben sich honiggelbe Sanddünen auf dunkelroter Erde dem azurblauen Meer entgegen. Majestätisch erhebt sich der 2.000 Meter hohe Rücken des östlichen Hajargebirges am Horizont.

Unwirklich erstrahlt das Blau der Lagune Khor Garama. Wie in magisches Licht getaucht erscheinen die engen Schluchten mit den tiefen Wasserpools, umgeben von sattgrünen Bananenstauden und Dattelpalmen. Golden leuchten die Strände bei Ras al Jinz, an denen jedes Jahr Tausende von Meeresschildkröten ihre Eier ablegen.

Die Provinz Sharqiyah am äußersten östlichen Rand der Arabischen Halbinsel wird geprägt von starken Kontrasten, dem Spiel der Farben und Formen der Landschaft. Doch auch verschiedene Lebenskonzepte treffen hier aufeinander.

Noch immer ziehen die Beduinen der Wahiba mit ihren Kamelen, Ziegen und Palmzweighütten in der endlosen Weite des Sandmeeres umher. Freiheit und Mobilität sind ihnen wichtiger als Hab und Gut. Die Bewohner der Oasen am Rand der Wüste bauten dagegen prächtige Häuser, mussten diese aber über Jahrhunderte hinweg verteidigen. Unzählige Wachtürme, Gebäude, wehrhaft wie Festungen, zeugen von turbulenten Zeiten aber auch einstigem Reichtum.

Die schweren, kunstvoll mit Schnitzereien verzierten Portale der Häuser stammen aus Ostafrika, wurden mit dem Schiff zum Hafen Sur gebracht und von dort auf Kamelen weiter transportiert. Zwischen Bergen und Wüste verlief die bedeutende Karawanenstraße von Sur ins Landesinnere. Sur war das Tor nach Sansibar und Indien, Umschlagplatz für Gewürze, Elfenbein, Gold und Seide. Hier werden noch immer wie einst Dhaus gebaut, die wendigen arabischen Boote mit dem eleganten Bug. Kaum besiedelt und nur schwer zugänglich sind weite Teile der Bergregion. Geheimnisvolle Grabtürme wurden hier entdeckt, bis zu 8 Meter hoch und älter als die Pyramiden in Ägypten. Auch die zweitgrößte Höhlenkammer der Welt liegt hier verborgen, die «Majlis al Jinn», die Versammlungshalle der Geister. In den engen Tälern und Schluchten ist noch ein weiterer Schatz verborgen — Wasser. Die tiefen Becken, gefüllt mit dem kostbaren Nass, dienen den Menschen in den Tälern nicht nur zur Bewässerung der Felder, sondern auch als Trinkwasserreservoir.